Historische Runde | Station 09

Friedhof Weisenbach

Historische Daten

Baujahr: 1487 | Erweiterung 1819 | Terrassenlösung: 1937

Von “Gottesacker” und Urnenstelen

Die Verstorbenen beerdigte man vermutlich zunächst in Gernsbach, da dort um die Sankt Jacobskirche der erste Friedhof angelegt war.
Im Jahre 1487 wurde Weisenbach eine eigene Pfarrei und die Gottesackerkapelle zur Pfarrkirche, die von einer Totenstätte umgeben war. Von der Zeit an trug man die Toten des Kirchspiels aus Weisenbach, Au, Reichental und Langenbrand auf den heutigen unteren Friedhof in Weisenbach zur letzten Ruhe.
Die ebersteinische Landesordnung um 1508 regelte auch das Leichenbegängnis neu. Beim Sterbefall eines „Getauften Menschen“ hatte aus jedem Haus der Ortschaft ein männlicher Vertreter am Leichenbegängnis teilzunehmen. Die sechs nächsten Nachbarn mussten den Toten tragen und sein Grab schaufeln.
An dem Totenmahl durfte nur die „Sippe“ teilnehmen, weil die Landesherrschaft die „verschwenderische Gasterei“ beim Ableben eines „kirchbaren Menschen“ verboten hatte.

Das Totenbrett wurde im 17. Jahrhundert durch die Herstellung eines Totenbaums abgelöst. Der Baum war ein ausgehöhlter Stamm, der von der Gemeinde oder den Flößern von der Murgschifferschaft unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Erst um 1810 und später zimmerte man aus vier Brettern einen Sarg.
Mit zunehmenden Einwohnerzahlen in den Gemeinden des Kirchspiels reichte der Weisenbacher Gottesacker nicht mehr aus, so dass in Reichental, Langenbrand Au eigene Friedhöfe eingerichtet wurden.

Eine weitere Veränderung ergab sich 1779 beim Bau der neuen Pfarrkirche im Tal. Dieser folgte 1819 eine Vergrößerung des „alten“ Friedhofes und im Jahr 1853 eine gründliche Renovierung. Die heutige Größe und Terrassenlösung wurde auf Allerheiligen 1937 fertiggestellt. Die Gesamtkosten für die Friedhofanlage 1937 beliefen sich damals auf nahezu 38.000 Mark. Architekt war Leopold Wunsch aus Bermersbach und die Firma Karl Reif aus Gausbach war die bauausführende Firma. Bei den Granitsteinen handelt es sich um Raumünzacher Granit der Murgtal-Granitwerke Hilkert und Schütz. In einem Zeitungsausschnitt vom November 1937 ist zu lesen:

„Dem Dorfe Weisenbach gegenüber, dicht an der Murg auf ihrem felsigen linken Ufer, zeichnet sich der kleine Kirchhof des Dorfes, isoliert auf einem mit Reben bewachsenen Hügel, aus, woraus die Spitze der kleinen Kapelle hinter Bäumen und Gesträuch hervorragt, bei dessen Anblick mancher mit dem Verfasser der Szene aus Faust’s Leben wünschen wird, dereinst eine solche Urstätte zu finden. Mehr Lob hat kein zweiter Friedhof im Tal hören dürfen!“

Da die Tendenz der Urnenbestattungen auch in Weisenbach nicht Halt macht, hat sich die Verwaltung im Jahr 2000 entschlossen, auf dem Weisenbacher Friedhof Urnenstelen (Kolumbarien) aufzustellen. Inzwischen stehen auf dem Friedhof drei Urnenstelen mit insgesamt 36 Urnenplätzen.

Luftaufnahme über der Kappelle zum Friedhof
Terrassen des Friedhofes
Brücke zur oberen Ebene

Impressionen

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Michael Essig
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