Historische Runde | Station 02

Pfarrkirche St. Wendelin

Historische Daten

Baujahr: 1845, Baumeister: Johann Belzer | Neue Kirchenorgel: 2010 | Neuer Glockenstuhl: 2019

Entstehung der Pfarrei

Christoph, Markgraf von Baden und Hochburg, Landgraf zu Sausenburg, Herr zu Rötteln und Badenweiler errichtete 1487  die katholische Pfarrei Weisenbach im Murgtal. Dieses Werk leitete der Markgraf dadurch ein, dass er im Jahre 1481 die Sankt Wendelinus-Kapelle oder auch Gottesackerkapelle genannt, die sich auf einem Felsenvorsprung auf dem linken Murgufer, gegenüber der Pfarrkirche befindet, mit Bewilligung des speyerischen Generalvikariats provisorisch auf 6 Jahre zur Pfarrkirche erhob, und zwar für die früher nach Gernsbach zählenden Filialgemeinden: Weisenbach, Reichental, Au und Langenbrand.

Im selben Jahr: Montag nach Sankt Agnes, anno 1481, bewilligte Bischof Ludwig von Speyer einen eigenen Kaplan für die Weisenbacher Kapelle. Dies geschah im Einvernehmen mit dem Markgrafen Christoph und dem Anfügen, dass dieser Zustand so bleibe bis zur Beschaffung ausreichender Mittel zum Zwecke der Anstellung und Dotierung eines eigenen Pfarrers.

Mit der neugeschaffenen Seelsorgestelle wurde durch den Markgrafen die im Jahre 1404 auf Schloß Eberstein gegründete Kaplanei vereinigt.
1799 wurde die erste Kirche im Tal erbaut, die 1833 einem großen Brand zum Opfer fiel.

Am 29. August 1841 fand die Grundsteinlegung statt für die neugotische dreischiffige Pfeilerbasilika mit Chor. Nach nahezu vier Jahren Bauzeit weihte Erzbischof Hermann von Vicari am 23. September 1845 die Pfarrkirche ein.

Maßgeblich am Bau war der einheimische Baumeister Johann Belzer. Sein Bauwerk nannte man auch das „Weisenbacher Münster“ da der Turm dem Freiburger Münster ähnelt.

Der Patron, dem die Kirche geweiht und unter dessen Schutz sie gestellt wurde, ist der Heilige Wendelin. Das Kirchenpatrozinium mit Prozession findet immer im Oktober statt.

Neue KirchenOrgel

Der Umzug und Einbau der neu angeschafften Orgel  war im März 2010 vollbracht. Diese Orgel stand in Essen-Kray wegen Schließung und Sparmaßnahmen der dortigen Gemeinde St. Christopherus zum Verkauf. Sie wurde nun mit einem feierlichen Gottesdienst geweiht.

Der Umzug und Wiederaufbau der Orgel kostete incl. Modernisierung ca. 200.000 Euro.

Bereits in den achziger Jahren war der Klang und die Substanz der alten Orgel kritisiert worden. Die neu eingebaute Orgel aus Essen passt durch ihr turmartiges Aussehen sehr gut in die Wendelinuskirche.

Kirchenorgel St. Wendelin

Kirchenorgel

Neuer Glockenstuhl

Aus Eisen wird Eichenholz

Bei einer Turmbegehung am 19.9.2012 wies Glockeninspektor Johannes Wittekind darauf hin, dass der Stahlglockenstuhl im Turm der Wendelinuskirche, dadurch dass er 1949 in das Turmmauerwerk eingelassen wurde, zu starke Schwingungen auf das Bauwerk überträgt.

Die ingenieurmäßige Überprüfung 2015 ergab, dass die Baumaßnahme umgehend durchgeführt werden muss. Ziel: Einbau eines neuen Glockenstuhles aus Eichenholz mit geringerem Querschnitt sowie der Einbau von sicheren Treppen zum Besteigen des Turms.

Am 8. Januar 2019 begann die Baumaßnahme. Nach der Einrüstung des Turms, der Ausbau der Uhrensteuerung, der Abhängung der Glocken in der Glockenstube und der Demontage des Eisenglockenstuhls wurden dann am 6. Februar die fünf Glocken mittels eines Autokrans vom Turm geholt. Zahlreiche Interessierte aus dem Murgtal hatten sich dazu eingefunden. Danach konnten die Zimmerleute mit dem Einbau von neuen Decken, der Treppenanlage und Teilen des neuen Glockenstuhles beginnen. Die Elektroinstallation musste erneuert und Ausbesserungsarbeiten im Mauerwerk konnten durchgeführt werden.

Bei der Glockenputzaktion, die von Mitgliedern des Kirchenbauvereins durchgeführt wurde, gab es eine Überraschung. Die älteste Glocke, die Schutzengelglocke war in allen Festschriften mit dem Jahre 1922 datiert. In diesem Jahr fand nach den Schriften die Glockenweihe nach dem 1. Weltkrieg statt. Nun stellte sich heraus, dass das Gussdatum dieser Glocke jedoch 1923 war. Durch einen Druckfehler bedingt, muss nun das Datum der Glockenweihe auf 1923 geändert werden.

Durch den guten Baufortschritt bedingt, kamen die Glocken schon am 27. Februar wieder zurück. Die Zusammenarbeit der Zimmermänner und den Mitarbeitern der Firma Schneider (Glocken- und Uhrentechnik aus Schonach) verlief problemlos, so dass der Aufbau des Glockenstuhles und die Aufhängung der Glocken termingerecht ausgeführt werden konnte.

Am Sonntag, 31. März 2019 war es dann soweit. Obwohl noch nicht zusammengeläutet wurde, strömten viele Christen, nicht nur aus Weisenbach, zum Festgottesdienst. Mit dem Lied „Vom Turm nun bald erklinget“, das bei der Glockenweihe 1949 schon erklang, begann der Gottesdienst. Pfarrer Thomas Holler eröffnete seine Predigt mit einem Gedicht von Erich Kästner. Darin heißt es:“ Wenn im Turm die Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten. Erstens: Dass ein Festtag ist. Dann: Dass du geboren bist. Drittens: Dass dich jemand liebt. Viertens: Dass es dich nun nicht mehr gibt. Weiterhin ging er auf die täglichen Läutezeiten ein, wie das Angelusläuten und den Stundenschlag der uns die Zeit signalisiert. Wichtig war für ihn die unausgesprochene Botschaft die sie vermitteln:“ Die Gegenwart Gottes in unserer Welt.“ Er erinnerte auch an die zwei Weltkriege, in denen auch die Glocken von Weisenbach vom Turm geholt wurden um für Kriegszwecke eingeschmolzen zu werden. Selbst Napoleon Bonaparte vermisste sie im Exil auf Elba und für die Geschwister Scholl war der Klang der Glocken vom Ulmer Münster die Verbindung vom Gestapo -Gefängnis in die freie Welt. Nach dieser eindrucksvollen Predigt stellten sich die fünf Glocken von Weisenbach selbst vor mit Größe, Gewicht, Inschrift und ihrem Läuteanlass. Die Glocken verkörperten: Schutzengelglocke Elke Heigle, Josefs-Glocke Clemens Großmann, Marien- Glocke Roswitha Wunsch, Wendelinus-Glocke Regina Kammermeier und Christus- Glocke Adi Marxer. Nach der jeweiligen Vorstellung wurden die Glocken kurz angeläutet. Zitat einer älteren Mitbürgerin: „So bewusst habe ich die einzelnen Glocken noch nie gehört“. Bei jeder Glockenvorstellung wurde das Bild der Glocke und die Inschrift durch Edith Gerstner auf eine Großleinwand projektziert.

Danach stieg Pfarrer Thomas Holler die Treppen zum Glockenstuhl empor um die Weihe vorzunehmen. Per Videokamera (Ehrenfried Weiler) wurde die Weihehandlung direkt in die Kirche übertragen und alle Gottesdienstbesucher waren damit aktiv eingebunden. Anschließend kamen beim „Te Deum“ alle Glocken zum Einsatz. Bewusst konnte nun die Reihenfolge beim Läuten wahrgenommen werden. Zuerst begann die Schutzengelglocke. Dann stimmten die anderen vier Glocken, der Größe nach, ein. Der Familienchor unter Claudia Mnich begleitete mit mehreren Liedern den Gottesdienst. In den Fürbitten wurde gebetet: „Für alle, die sich für den Frieden einsetzen, dass nie wieder aus Glocken Kanonenkugeln werden“.

Im Anschluss fand ein Empfang im Gemeindehaus statt. Pfarrer Thomas Holler begrüßte die zahlreichen Gäste unter anderem Rainer Strobel, den Bauleiter der gesamten Maßnahme vom Architekturbüro Wörner. Der Vorsitzende des Gesamtpfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Forbach – Weisenbach Klaus Mungenast erörterte nochmals die Beweggründe der Baumaßnahme, den Ablauf und den finanziellen Rahmen. Nach Abschluss der Baumaßnahmen wird von 240.000 € ausgegangen. Er dankte allen beteiligten Firmen die ihre Arbeiten termingerecht abschlossen hatten. Adi Marxer und Edith Gerstner vom Kirchenbauverein zeigten Bilder und Videos von der Baumaßnahme und die Besucher hatten die Möglichkeit die umfassende Fotodokumentation zu betrachten, bei der Historie und Gegenwart abgebildet waren.

Impressionen

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Kontakt

Michael Essig
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