Historische Runde | Station 23

Alte Papierfabrik Holtzmann

Historische Daten

Gründung: 1883 | Fertigung ab 1886 | 1889 Schleiferei, Schlechtau | 1906 Zeitungspapier, Wolfsheck

Papierherstellung in sozialer Verantwortung

Die Wasserkraft der Murg sowie das nachwachsende Holz des Schwarzwaldes waren Voraussetzungen für die Ansiedlung der Papierindustrie.

Das erste Werk der Firma, in der Breitwies, gründeten Eugen Holtzmann und August Fischer zusammen mit Dr. Wilhelm Oechelhaeuser im Jahre 1883.

Den ersten Holzschliff erzeugte man 1886 und ab 1887 Papier mit einer Arbeitsbreite von 2,60 Meter.

Mit dem Bau einer Holzschleiferei (1889) in der Schlechtau war die Voraussetzung für die Inbetriebnahme einer zweiten Papiermaschine gegeben. Zunächst errichtete man die Wasserkraftanlage, in welcher noch heute erneuerbare Energie erzeugt wird.

Das dritte Werk entstand 1906 in Wolfsheck zur Produktion von Zeitungsdruckpapier, 1912 die Villa Fischer und danach die Hauptverwaltung in der Emisau.

In den drei Werken waren bis zu 1850 Mitarbeiter beschäftigt. Das war ein Segen für die umliegenden Gemeinden, deren Einwohner und Vereine.

Von Anfang an setzten sich die Verantwortlichen der Firma für Ihre Mitarbeiter ein. Der Bau von Wohnungen für Arbeiter und Angestellte in Neudorf, Wolfsheck, Langenbrand, Au und Weisenbach sowie eine eigene Betriebskrankenkasse sind ein Zeugnis für das soziale Verständnis der Betriebsführung.

Die Holtzmann oHG wurde im Inflationsjahr 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Es wurden nur Aktien in Form von vinkulierten Namensaktien an Familienmitglieder und Verwandte der drei Unternehmensgründer ausgegeben. Das Gesellschaftskapital betrug 40 Millionen Papiermark. Dies entsprach nach der Währungsreform von 1924 einem Wert von etwa 4,2 Millionen Reichsmark.

In den sechziger Jahren ging in Karlsruhe-Maxau ein neues Werk für Zeitungsdruckpapier in Betrieb.

Im Jahr 1997 übernahm der finnische Konzern Enso Oy das Unternehmen, an dem zuvor die WAZ-Mediengruppe Hauptaktionär gewesen war.

Die Werke Schlechtau und Breitwies wurden in den Neunzigern und Wolfsheck im Jahre 2008 stillgelegt.

Von dem Standort der Stehle aus sieht man nur den vorderen Teil der Fabrikanlage.

Holtzmann – Geschichten

Auszüge aus dem firmeneigenen Buch “Wer Holtzmann heißt…”

Der Firmengründer

Firmengründer Eugen Holtzmann mit Frau Natalie

“Wer Holtzmann heißt und den Wald liebt, kann entweder Förster werden oder Papiermacher”

Brotpreisaufschlag

Mehrarbeit genehmigt

“Weisenbachfabrik, 27. April 1903

Wohllöbl. Bürgermeisteramt Langenbrand

Zur Fertigstellung eines sehr pressanten Export-Auftrages ist es notwendig, daß wir unsere Arbeiterinnen auf dem Papiersaal heute bis 9 Uhr arbeiten lassen.

Wir bitten Sie, uns hierzu Ihre Genehmigung ergebenst erteilen zu wollen und zeichnen

Hochachtungsvoll
E. Holtzmann”


Nachsatz: “Genehmigt bis heute Abend den 27. April 1903, Bürgermeister Merkel”

Das 1885 errichtete Beton-Aquädukt über die Murg unterhalb Langenbrand
Der Holtzmann-Fuhrpark 1910
Frühere Ansicht "Breitwies"

Kontakt

Michael Essig
Leimengrübstraße 9
76599 Weisenbach
Tel. 07224.7372

michael.essig@heimatstub.de

Gemeinde Weisenbach

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